Mensch mit Hund
Seit mehr als 13 Jahren hat die ehemalige Hardlinerin in der Hundeerziehung viele Erfahrungen gesammelt.
Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie vor 10 Jahren eine Hundeschule, die von Anfang an auf Gewalt
verzichtet. Heute lebt sie mit Ihrer Lebensgefährtin und ihren sechs Hunden, von denen 3 stark sehbehindert
oder ganz blind sind, in Oberbayern.
Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie vor 10 Jahren eine Hundeschule, die von Anfang an auf Gewalt
verzichtet. Heute lebt sie mit Ihrer Lebensgefährtin und ihren sechs Hunden, von denen 3 stark sehbehindert
oder ganz blind sind, in Oberbayern.

Alpha-Alarm!
Mein Gott, was lebe ich gefährlich! Ich habe, wenn es nach manchen Hundetrainern geht, ein echtes Dominanzproblem und bislang ist es wohl einfach nur Glücksache gewesen, dass ich nicht schon mit durchgebissener Kehle in meinem Blute liege und unsere Hunde endgültig die Weltherrschaft an sich reißen. Dabei hab ich sogar eine Hundeschule und müsste ja eigentlich wissen, wie der Hase, pardon, der Hund läuft. Aber nun wechselte eine Kundin von einer anderen Hundeschule zu uns, die mir ziemlich Haarsträubendes berichtete.


Das erste, was sie dort lernte, war der „Alphawurf“. Man nehme also seinen Hund, werfe ihn mit Krawumm auf den Rücken und nagle ihn in dieser Stellung mindestens eine Minute lang fest, am besten indem man ihm fast die Luft abschnürt. Dies versuchte die doch etwas irritierte Neu-Hundebesitzerin damals dann auch, aber mit dem Festnageln war es leichter gesagt als getan. Gypsy wehrte sich doch tatsächlich, und das noch heftiger, als ihr dann mittels Nackenschüttler endgültig Respekt eingetrichtert werden sollte. Beschämt musste ich gestehen, dass ich mit keinem unserer Hunde jemals einen Alphawurf getätigt hatte und dass ich und meine Hunde Nackenschüttler als Morddrohungen ansehen und daher tunlichst unterlassen.
Außerdem, so wurde Gypsys Fraule eindringlich ans Herz gelegt, sei es von überlebenswichtiger Notwendigkeit, dass der Hund grundsätzlich nach dem Menschen durch die Türe gehe und um Gottes Willen auch niemals vor der Mahlzeit der Zweibeiner sein Fresschen einnehme. Ich errötete und gestand, meine Hunde immer dann zu füttern, wenn ich es für richtig erachte und mir peinlicherweise gar keine Gedanken über die Uhrzeit im Verhältnis zur eigenen Speisung machte. Und dass ich die Hunde nur dann hinter mir zur Tür in den Garten rauslasse, wenn mir danach ist, und das ist selten, besonders morgens, wenn es kalt ist, die Hunde pieseln müssen und ich keine Lust habe, aus „Rangordnungsgründen“ noch im Halbschlaf im Pyjama vor den Hunden in den Garten zu torkeln.



Aber das allerverwerflichste, was sie ihrer Gypsy in den Augen der dortigen Trainerinnen antun konnte, war, dieses 4-Kilo-Monstrum von Hund auf den Schoß zu nehmen und sogar noch aufs Sofa zu lassen. Gypsy würde sich sofort zum „Alpha“ aufschwingen, versuchen, Fraulis Geruch zu überdecken und über kurz oder lang zum Familientyrann werden. Nun waren selbst meine Ohren schamvoll rot! Sitzen zwei meiner Hunde doch für ihr Leben gerne „Schoßi“ und Marathon-Schmuserunden auf dem Sofa gehören zum täglichen Ritual. Aber, jetzt kommt’s, ich war ja noch schlimmer, meine Hunde dürfen sogar in meinem Bett schlafen!!! Die Große, Alaskan Husky Wonda, tut das nicht, ihr ist es einfach zu warm. Aber, Chili, Suerte und vor allem Taco lieben es, mit mir in aller Wonne zu kuscheln und zu toben – im Bett, Schande über mich! Und sie schlafen sogar die ganze Nacht drin! Mein Gott, vielleicht war mein Geruch schon so überdeckt, dass meine Hunde längst die Herrschaft an sich gerissen haben und nur aus lauter Großherzigkeit meinen Kommandos noch folgen?! Gypsy durfte also wochenlang weder auf dem Schoß sitzen noch auf dem Sofa schmusen noch zuerst durch die Tür und jedes Fehlverhalten wurde sofort streng geahndet. Und was machte die undankbare Ratte statt ihre ach-so-tollen-Menschenbosse anzuhimmeln? Sie zeigte Meideverhalten und von Vertrauen gab es keine Spur!
Es ist dann aber doch erstaunlich, dass ich so gar keine „Dominanzprobleme“ mit meinen Hunden habe – und Gypsy-Fraule auch nicht. Ich kann meinen Hunden jederzeit einen Knochen wegnehmen, ohne den Verlust von Extremitäten zu riskieren. Auch wenn das Sofa schon hundetechnisch besetzt ist, kann ich mir meinen Platz freimachen, ohne von dominanten Alpharüden und –hündinnen gewalttätig daran gehindert zu werden. Ich kann die Hunde zuerst durch die Tür lassen und trotzdem nehmen mich meine Hunde ernst. Und ich kann neben satt gefütterten Hunden speisen, ohne dass sie beim nächsten Spaziergang Schafe reißen und mich nicht an die Beute lassen. Und zu allem Überfluss folgen sie auch noch freudig, weil ich mit dem Clicker arbeite und sie optimal wissen, wann sie etwas richtig gemacht haben. Komisch, das alles, wo Clickertrainer doch solche Weicheier sind. Sagen die Hardliner.
Aber halt, nein, mit Wonda habe ich das „Dominanz-Programm“ ja auch mal durchgezogen. Damals, vor ungefähr hundert Jahren, 1996 bis 1998, als ich den ganzen „Alpha-Zirkus“ auch noch für bare Münze genommen habe. Ich ging zuerst durch jede Tür, aß immer zuerst, der Hund schlief nicht mal im Schlafzimmer, geschweige denn im Bett, sondern im Wohnzimmer, immer schön weitab vom "Rudel". Wenn Wonda nicht augenblicklich „Platz“ lag, wenn ich es ihr ins Ohr raunzte, dann lag ich bäuchlings auf dem „rebellierenden“ Hund und bewies meine Alphastellung, notfalls auch als reichlich lächerliche Figur mit matschverschmierter Hose am Wegesrand, denn Nichtbefolgen eines Kommandos war ja schließlich Hochverrat.


Das Ergebnis dieser „Alpha-Stellungskämpfe“ war eindeutig: Mein Hund hatte Angst vor mir! Die einzige Verbindung zwischen uns war die Leine und wenn mein geplagter Hund konnte, suchte er das Weite – und fand es auch. Sie jagte, sie folgte nur auf dem Hundeplatz - und ich verzweifelte an dem „dominanten“ Hund. Ich schob es auf die Rasse – Huskys gelten als unerziehbar und das ist gern ein Freifahrtschein für grobe Methoden. Hier kann „Husky“ ohne weiteres durch „Terrier“ oder sonstwas ersetzt werden, denn mit ein wenig Phantasie findet sich für jede Rasse oder Mischung eine gute Ausrede für Nicht-Befolgen von Kommandos und tierquälerische Ausbildungsmethoden. Ich kämpfte um meine Vormachtstellung, bis ich eines Tages aufwachte. Bis ich begriff, dass so kein echtes Vertrauen entstehen kann. Über zahlreiche Seminare und Bücher erschloss ich mir mühsam Stück für Stück die Denkweise der Hunde – und bat Wonda bis heute schon tausendmal um Entschuldigung. Sie wird nie so viel Vertrauen zu mir haben wie meine beiden anderen, die nach meiner „Wandlung“ kamen. Mit meiner Freundin arbeitet sie wirklich freudig, ohne Beschwichtigungssignale, denn sie war nie ungerecht mit ihr. Bei mir sitzt Wondas Erinnerung zu tief, auch wenn ich schon seit über zehn Jahren anders bin als früher. Aber Wonda und mich verbindet inzwischen doch viel mehr als nur die Leine, sie war und ist meine Lehrerin.
Natürlich geht es nicht, dass ein Hund das Sofa verteidigt oder unkontrolliert in der Gegend herumjagt. Aber wenn das passiert, dann hat es nichts mit "Alpha" oder "Dominanz" zu tun, sondern mit einer Schieflage des Verhältnisses zwischen Mensch und Hund. Dann stimmt die Beziehung nicht oder es wurde an Kommandos unzureichend geübt. Wer übrigens als Mensch darauf besteht, "Rudelführer" für seinen Hund zu sein, der darf dann auch nicht vergessen, in den Kühlschrank zu pinkeln! Rudelführer markieren selbstverständlich ihre Vorräte! Wer das nicht will, der sollte doch einfach nur der verlässliche, souveräne Chef und Spielregelaufsteller seines Hundes sein, das ist wesentlich entspannender!
Gypsys Fraule jedenfalls war nach einem intensiven Gespräch mit mir zutiefst beruhigt, dass sie nicht fürchten muss, dass ihr Hund nun die Weltherrschaft übernehmen wird, nur weil er auf dem Schoß sitzen darf und freudig-ungeduldig zuerst durch die Haustür in den Garten stürmt. Denn sie hatte es tief in ihrem Innern längst gespürt – ein Chef ist ein souveräner, cooler Mensch, der Sicherheit gibt, und kein HB-Männchen, das aus Angst vor Rebellion den großen Unterdrücker spielt. Gypsy findet das übrigens auch. Seit sie Schoßi sitzen darf und auf dem Sofa mit ihren Menschen schmusen, ist sie viel gelassener und anhänglicher geworden. Und auch ich werde so weitermachen wie bisher. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann machen wir unsere gegenseitigen „Alphawürfe“ immer noch am liebsten johlend auf dem Sofa beim Toben und üben uns in „wer überdeckt besser den Geruch des anderen“!
© Franziska Feldsieper



Außerdem, so wurde Gypsys Fraule eindringlich ans Herz gelegt, sei es von überlebenswichtiger Notwendigkeit, dass der Hund grundsätzlich nach dem Menschen durch die Türe gehe und um Gottes Willen auch niemals vor der Mahlzeit der Zweibeiner sein Fresschen einnehme. Ich errötete und gestand, meine Hunde immer dann zu füttern, wenn ich es für richtig erachte und mir peinlicherweise gar keine Gedanken über die Uhrzeit im Verhältnis zur eigenen Speisung machte. Und dass ich die Hunde nur dann hinter mir zur Tür in den Garten rauslasse, wenn mir danach ist, und das ist selten, besonders morgens, wenn es kalt ist, die Hunde pieseln müssen und ich keine Lust habe, aus „Rangordnungsgründen“ noch im Halbschlaf im Pyjama vor den Hunden in den Garten zu torkeln.



Der Leitwolf auf dem Bett
Aber das allerverwerflichste, was sie ihrer Gypsy in den Augen der dortigen Trainerinnen antun konnte, war, dieses 4-Kilo-Monstrum von Hund auf den Schoß zu nehmen und sogar noch aufs Sofa zu lassen. Gypsy würde sich sofort zum „Alpha“ aufschwingen, versuchen, Fraulis Geruch zu überdecken und über kurz oder lang zum Familientyrann werden. Nun waren selbst meine Ohren schamvoll rot! Sitzen zwei meiner Hunde doch für ihr Leben gerne „Schoßi“ und Marathon-Schmuserunden auf dem Sofa gehören zum täglichen Ritual. Aber, jetzt kommt’s, ich war ja noch schlimmer, meine Hunde dürfen sogar in meinem Bett schlafen!!! Die Große, Alaskan Husky Wonda, tut das nicht, ihr ist es einfach zu warm. Aber, Chili, Suerte und vor allem Taco lieben es, mit mir in aller Wonne zu kuscheln und zu toben – im Bett, Schande über mich! Und sie schlafen sogar die ganze Nacht drin! Mein Gott, vielleicht war mein Geruch schon so überdeckt, dass meine Hunde längst die Herrschaft an sich gerissen haben und nur aus lauter Großherzigkeit meinen Kommandos noch folgen?! Gypsy durfte also wochenlang weder auf dem Schoß sitzen noch auf dem Sofa schmusen noch zuerst durch die Tür und jedes Fehlverhalten wurde sofort streng geahndet. Und was machte die undankbare Ratte statt ihre ach-so-tollen-Menschenbosse anzuhimmeln? Sie zeigte Meideverhalten und von Vertrauen gab es keine Spur!
Es ist dann aber doch erstaunlich, dass ich so gar keine „Dominanzprobleme“ mit meinen Hunden habe – und Gypsy-Fraule auch nicht. Ich kann meinen Hunden jederzeit einen Knochen wegnehmen, ohne den Verlust von Extremitäten zu riskieren. Auch wenn das Sofa schon hundetechnisch besetzt ist, kann ich mir meinen Platz freimachen, ohne von dominanten Alpharüden und –hündinnen gewalttätig daran gehindert zu werden. Ich kann die Hunde zuerst durch die Tür lassen und trotzdem nehmen mich meine Hunde ernst. Und ich kann neben satt gefütterten Hunden speisen, ohne dass sie beim nächsten Spaziergang Schafe reißen und mich nicht an die Beute lassen. Und zu allem Überfluss folgen sie auch noch freudig, weil ich mit dem Clicker arbeite und sie optimal wissen, wann sie etwas richtig gemacht haben. Komisch, das alles, wo Clickertrainer doch solche Weicheier sind. Sagen die Hardliner.
Frauchen als Domina
Aber halt, nein, mit Wonda habe ich das „Dominanz-Programm“ ja auch mal durchgezogen. Damals, vor ungefähr hundert Jahren, 1996 bis 1998, als ich den ganzen „Alpha-Zirkus“ auch noch für bare Münze genommen habe. Ich ging zuerst durch jede Tür, aß immer zuerst, der Hund schlief nicht mal im Schlafzimmer, geschweige denn im Bett, sondern im Wohnzimmer, immer schön weitab vom "Rudel". Wenn Wonda nicht augenblicklich „Platz“ lag, wenn ich es ihr ins Ohr raunzte, dann lag ich bäuchlings auf dem „rebellierenden“ Hund und bewies meine Alphastellung, notfalls auch als reichlich lächerliche Figur mit matschverschmierter Hose am Wegesrand, denn Nichtbefolgen eines Kommandos war ja schließlich Hochverrat.



Was geht und was geht nicht
Natürlich geht es nicht, dass ein Hund das Sofa verteidigt oder unkontrolliert in der Gegend herumjagt. Aber wenn das passiert, dann hat es nichts mit "Alpha" oder "Dominanz" zu tun, sondern mit einer Schieflage des Verhältnisses zwischen Mensch und Hund. Dann stimmt die Beziehung nicht oder es wurde an Kommandos unzureichend geübt. Wer übrigens als Mensch darauf besteht, "Rudelführer" für seinen Hund zu sein, der darf dann auch nicht vergessen, in den Kühlschrank zu pinkeln! Rudelführer markieren selbstverständlich ihre Vorräte! Wer das nicht will, der sollte doch einfach nur der verlässliche, souveräne Chef und Spielregelaufsteller seines Hundes sein, das ist wesentlich entspannender!
Gypsys Fraule jedenfalls war nach einem intensiven Gespräch mit mir zutiefst beruhigt, dass sie nicht fürchten muss, dass ihr Hund nun die Weltherrschaft übernehmen wird, nur weil er auf dem Schoß sitzen darf und freudig-ungeduldig zuerst durch die Haustür in den Garten stürmt. Denn sie hatte es tief in ihrem Innern längst gespürt – ein Chef ist ein souveräner, cooler Mensch, der Sicherheit gibt, und kein HB-Männchen, das aus Angst vor Rebellion den großen Unterdrücker spielt. Gypsy findet das übrigens auch. Seit sie Schoßi sitzen darf und auf dem Sofa mit ihren Menschen schmusen, ist sie viel gelassener und anhänglicher geworden. Und auch ich werde so weitermachen wie bisher. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann machen wir unsere gegenseitigen „Alphawürfe“ immer noch am liebsten johlend auf dem Sofa beim Toben und üben uns in „wer überdeckt besser den Geruch des anderen“!
© Franziska Feldsieper
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Ich freue mich, dass Euch nun ein bis zweimal pro Monat mit meinen Kolumnen zum Lachen oder auch zum Nachdenken bringen darf. Ihr dürft gespannt sein.
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