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Der Spiegeltest

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Eintrag vom 11.03.2013

ich liebe den Spiegeltest, er hat so viel mit unserer Kultur zu tun.
Mich hat er Jahrelang immer wieder beschäftigt.
Ich mochte die Aussagen und Resultate nicht, und habe mir deshalb Gedanken gemacht.
Am Ende musste ich dann über mich selber lachen, ich musste merken, dass ich dann doch nicht so schlau bin, denn andere Menschen ging es ähnlich und es ist wirklich so, es ist so einfach, dass man sich an den Kopf fassen möchte.

Zuerst einmal zum Test.
Es ging um die Aussage, dass Tiere kein Selbstbewusstsein haben.
Das war eigentlich einfach nur eine Behauptung aber nun kamen ein paar Verhaltensforscher auf die Idee, wie sie beweisen könnten, dass Tiere ein Selbstbewusstsein haben müssen.
Wenn ein Lebewesen sich im Spiegel erkennen kann, dann muss es ein Selbstbewusstsein haben, um zu verstehen, dass es eine Spiegelung von sich selber sieht.
So weit so gut, doch wie soll man herausfinden, ob ein Tier weiss, dass es eine Spiegelung sieht?
Man kam auf die Idee, den Tieren unbemerkt Flecken zu machen, die sie nur mit einem Spiegel sehen konnten.
Wenn dann ein Tier den Flecken untersuchte, musste es ein Selbstbewusstsein haben, denn es erkannte sich selbst und benützte den Spiegel um den Flecken zu untersuchen.

Dieser Test hat bei den Affen wunderbar geklappt, die Affen sahen tatsächlich den Flecken im Spiegel und fassten sich an den eigenen Körper, um den Flecken zu untersuchen.
Es gab auch noch andere Tierarten, die die Flecken untersuchten aber eine wirkliche Logik war nur sehr schwer zu finden, damit will sich sagen, die Tiere, bei denen der Test gelang, hatten wenig gemeinsam.
Bei den Elefanten gelang der Test zuerst auch nicht, bis einer die Idee hatte, einen wirklich grossen Spiegel zu benutzen, der so gross war, wie Elefanten sind.
Dann klappte der Spiegeltest in kürzester Zeit.

Ich bin mir nicht mehr sicher, zu was für einen Resultat man bei den Katzen kam, ob man ihnen am Schluss ein Bewustsein zubilligte oder nicht aber sie waren auf jeden Fall eine Zeit lang Wackelkandidaten.
Manche Katzen fingen nämlich an, die Stelle zu putzen, wo der Fleck gemacht wurde, nachdem sie ihn im Spiegel gesehen haben mussten.
Bei Hunden war man aber sicher, der Test ergab keine positive Resultate.
Schon ganz zu Anfang wiesen Verhaltensforscher darauf hin, dass dieser Test nur bei den positiven Resultaten ein Beweis sei, schliesslich müssten sich die Tiere für die Flecken interessieren.

Dieser Meinung war ich auch und dann begann ich mir wegen den Hunden meine eigenen Gedanken zu machen.
Wenn Hunde dreckig werden, dann interessierte sie das eigentlich immer wenig.
Das waren aber Flecken.
Wieso waren solche Flecken für die Hunde nicht interessant und wie könnte man einen Hund für Flecken interessieren.
Mir kam dann der Gedanke an Streichwurst, dabei viel mir aber auf, dass es fast unmöglich ist, einem Hund einen Flecken irgendwohin zu machen, weil er ja die Streichwurst vorher schon roch.
So fand ich eine Erklärung für mich, wieso Hunde sich nicht für Flecken interessierten, sie rochen ganz einfach ob es etwas gab, dass es Wert war zu untersuchen, deshalb interessierte sie der Dreck auch nicht, sie rochen ja, dass er da war.

Das genügte mir aber nicht und ich begann mir Gedanken darüber zu machen, wie mein eigener Hund mit Spiegeln umging.
In meinem Schlafzimmer hatte ich zwei Schränke nebeneinander stehen, deren Türen bis zum Boden vollständig verspiegelt waren (gab sehr viel Licht in das dunkle Zimmer).
Mein Hund reagierte als Welpe auf die Spiegel und erschreckte sich zuerst und wollte dann mit dem Welpen im Spiegel spielen.
Also ein Beweis, dass er sich nicht erkannte.
Dies ging aber nicht einmal einen Tag lang so und dann reagierte er nicht mehr auf den Welpen im Spiegel, hmm.
Dann viel mir auf, dass er in den Spiegel schaute um um die Ecken sehen zu können.

Später las ich dann, wie man Testen konnte, ob ein Hund ein Kommando wirklich verstand.
Man bringt dem Hund bei, hinter einer Ecke zu warten, dann nimmt man einen Handspiegel um den Hund sehen zu können und gibt ihm ein Kommando.
Wenn er es dann richtig ausführt, hat man einen positiven Beweis, dass der Hund das Kommando verstand.

Mein Hund wartete nicht hinter einer Ecke, wenn ich ihm ein Kommando gab, so weit hatte ich noch nicht trainiert, er kam immer um die Ecke rum und führte dann das Kommando aus.
Dann vielen mir die Schlafzimmerspiegel ein, weil ich ja den Eindruck hatte, dass er sie benutze.
Gleich beim ersten Anlauf klappte das dann auch ohne Probleme aber der Test war nutzlos, denn er konnte meine Körperhaltung sehen.
Aber!
Wenn er mich im Spiegel sehen konnte und sich selber auch, dann hatte er doch Selbstbewusstsein?
Ich habe wirklich auf verschiedene Arten probiert, was sich machen lies und ich konnte auch hinter meinem Hund stehen, so dass er mich nur teilweise im Spiegel sah, weil sein Spiegelbild mich verdeckte, auch das war kein Problem.
Bedeutete das nicht, dass er wusste, wer im Spiegelbild er war und wer ich?


Bevor ich das mit dem Hinter dem Ecken bleiben bei einem Taschenspiegel im Griff hatte, hörte ich ein Interview mit einem Programmierer, der versuchte eine künstliche Intelligenz zu schaffen.
Er sagte, dass es unbedingt nötig wäre, dass man ein Selbstbewusstsein Programmieren könne, wenn man eine künstliche Intelligenz haben wolle, weil alles andere viel zu kompliziert wäre.
Um auf die Umwelt zu reagieren, wäre es zwar möglich, viele einzelne Reaktionen zu programmieren aber nur ein Selbstbewusstsein könnte auch mit Sachen umgehen, für die es nicht oder unzureichend programmiert wäre.
Das war für mich der logische Beweis, dass Tiere ein Selbstbewusstsein haben müssen
Geschafft!

Viel später las ich dann, dass der Spiegeltest nur eine Behauptung widerlegen sollte, dass er aber viel zu aufwendig wäre.
Wenn man herausfinden wolle, ob zum Beispiel ein Hund ein Selbstbewusstsein habe, dann müsse man nur zwei Hunde nehmen und dem Einten davon ein Leckerli geben.
Wenn der andere Hund sich nun so benahm, das man Sätze brauchen könnte, wie "ich will auch eins" dann musste dieser Hund ein Selbstbewusstsein haben, denn er wusste, dass er kein Leckerli bekommen hatte.


Ich weiss nicht, wie es Euch jetzt geht aber als ich das damals las, musste ich über mich selber lachen.
Es ist wirklich wahr, ich habe mir über viele Jahre immer wieder Gedanken gemacht über den Spiegeltest und dabei war es so einfach.

Es ging dann aber noch weiter.
Man könnte behaupten, dass dieser Test nichts über die Qualität des Bewusstseins aussagt aber die Neurobiologie hätte inzwischen sowieso ein ernsthaftes Problem, was unser Bewusstsein anging.
Wie viel von dem, was wir machen, ist überhaupt bewusst?
Viele Sachen machen wir rein aus Gewohnheit.
Zum Beispiel drücken wir eine Taste und es wird Licht.
Schaltet sich das Licht nicht an, sind wir überrascht und müssen uns Gedanken darüber machen aber inzwischen haben wir meist schon ein paar mal die Taste gedrückt.
Es gibt aber auch ein anderes Problem und damit könnt Ihr jetzt sofort experimentieren.
Währendem ihr diesen Text lest, hört ihr verschiedenes, ihr seht auch mehr als den Bildschirm ihr fühlt auch vieles verschiedenes, zum Beispiel auf was ihr sitzt.
Doch ihr könnt Euch nur auf das konzentrieren, was ich schreibe, wenn ihr Euch auch mit den unnötigen Informationen abgebt, könnt Ihr den Text nicht mehr lesen.
Wie viel Information nehmen wir Bewusst auf?
1% oder 2%?
Wie wichtig ist unser Bewusstsein überhaupt im Alltag?
Ein Tipp, beschäftigt Euch mal mit dem Thema Intuition und was die Neurobiologie darüber zu berichten hat, es ist wirklich spannend, wenn ihr es bis hier ausgehalten habt.

Wie gross ist denn nun der Unterschied beim Selbstbewusstsein zwischen den verschiedenen Tieren und uns Menschen und wie wichtig ist das, wenn wir so wenig Bewusst sind?

Buchtipps:
Patricia McConell: Liebst Du mich auch? Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund.
Malcom Gladwell: Blink! die Macht des Moments
Elisabeth Beck: Wer denken will, muss fühlen Mit Herz und Verstand zu einem besseren Umgang mit Hunden

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diesascha19772
27.07.2013 21:52 Uhr
Lesenswerter Beitrag!

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