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Die chinesische Wasserfolter

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Eintrag vom 03.03.2011

Wir müssen wohl alle nicht sehr lang überlegen, bis wir uns an HH erinnern, die erfolglos immer wieder das gleiche machen.
Ein Klassiker in dieser Richtung ist für mich, wie HH mit kleinen Hunden umgehen können, die Leinenaggression zeigen.
Der Kleine sieht einen anderen Hund, sofort beginnt er in die Richtung des Hundes zu ziehen und beginnt mit dem Verbellen.
Darauf reagiert der HH mit einem "Nein", was der Hund nicht beachtet, darum kommt nach kurzer Zeit wieder ein "Nein" das genau so Erfolglos ist.
Dies wiederholt sich so lange, bis der andere Hund vorbei ist, beginnt aber wieder von vorne, wenn ein andere Hund auftaucht.
Dieses Verhalten kann man auch bei vielen anderen Gelegenheiten sehen, z.B. beim Rückruf, wo der HH hilflos andauernd das Kommando wiederholt und dabei auch noch ein Leckerli zeigen kann.
Die Hunde reagieren unterschiedlich in den verschiedenen Situationen auf dieses Verhalten.
Manchmal reagieren sie genau so routinemässig, wie z.B. oft bei der Leinenaggression.
Manchmal ignorieren sie uns einfach.
Dann gibt es aber auch Situationen, in denen sie so reagieren, als würden sie der chinesische Wasserfolter ausgesetzt.

Bei der chinesischen Wasserfolter wird der Gefolterte so fixiert, dass er sich nicht bewegen kann.
Dann benützt man eine Vorrichtung, die in regelmässigen Abständen auf seinen Kopf tropft, immer an die gleiche Stelle.
Das Ziel dieser Folter ist es entweder der Ausgesetzten vollständig gefügig zu machen, so dass er z.B. alles gesteht, was man möchte oder ihn in den Wahnsinn zu treiben.
Nur mit regelmässigen Wassertropfen.

Dies kann man z.B. immer wieder sehen, wenn ein Hund "nur" zu anderen Hunden hinzieht.
Die Hunde ziehen immer wie verzweifelter an der Leine, dies steigert sich ohne Probleme so sehr, dass sie sich selber einen Schlag mit dem Halsband zufügen, der durchaus so stark sein kann, dass es ihnen fast die Hinterbeine wegschlägt.
Jedes "Nein" vom HH wirkt wie ein Tropfen bei der chinesischen Wasserfolter und bringt den Hund immer mehr in Verzweiflung und der Hund wird immer wie extremer in seinem Verhalten.

Was bringt uns Menschen nur dazu, in so eine Routine zu verfallen.
So gedankenlos und hirnlos immer wieder das Gleiche zu machen, ohne das unsere Aktion auch nur im entferntesten Erfolg zu haben scheint.
Wir sind doch wirklich stolz darauf, dass wir denkende Wesen sind und wir heben dies immer wieder gerne hervor, wenn wir über Tiere reden.
Um es klar zu sagen, ich kenne so ein Verhalten auch von mir selbst.
Natürlich suche ich andere Wege, wenn ich es erkenne aber dafür muss es mir immer wieder bewusst werden, dass ich in einer Routine gefangen bin.
Dabei kann diese Routine sicher und härter (in der Anwendung) sein, wie die ursprüngliche chinesische Wasserfolter es ist.
Die gleiche Situation, das gleiche Verhalten und das über Jahre hinweg.
Wieso?

Leider fallen wir in solche Routinen auch immer wieder wenn wir versuchen unsere Hunde mit Schmerzreizen zu erziehen.
Stellen wir uns einmal vor, wir sitzen auf einer Bank und lassen drei HH mit ihren Hunden vorbeiziehen, bei denen der Hund zieht.
-Der Erste reagiert darauf, indem er dem Hund jedes mal ein Leckerli anbietet, wenn er einmal stehen bleibt und anschliessen beim Einholen wieder kurz auf gleicher Höhe ist.
Immer und immer wieder, fast alle zehn Meter, die sie zusammen laufen.
-Der Zweite ist Anhänger des Leinenrucks, alle zehn Meter reisst er die Leine so plötzlich und gewaltsam zurück, dass das Halsband dem Hund einen regelrechten Schlag versetzt, auch dies absolut regelmässig
-Der Dritte scheisst brüllend alle hundert Meter seinen Hund zusammen.

Es ist schlimm, das ich mir sicher bin, dass wir solche Bilder alle kennen.

Beim ersten HH endet es normalerweise so, dass der Hund immer mehr vom HH verlangt, dass er überhaupt noch das Leckerli nimmt.
Das Leckerli muss ihm besonders gut schmecken und es muss ihm ganz genau zu dem Zeitpunkt angeboten werden, bei dem er nicht seine Geschwindigkeit verringern muss, um es anzunehmen, sonst läuft er weiter.
Dieser Hund wird sehr wahrscheinlich irgend wann einmal gesundheitliche Probleme bekommen und an den gesundheitlichen Folgen der Überfütterung sterben.
Was den Zweiten angeht, diese Schläge sind keine Wassertropfen.
Man muss nicht Tierarzt oder Chiropraktiker sein um zu wissen, dass diese Schläge ernsthafte körperliche Schäden verursachen werden.
Anders Hallgren hat in einer Studie mitgearbeitet, in der bewiesen wurde, das 80% der aggressiven Hunde Schäden an den Halswirbeln haben.
Könnte dies eine Erklärung für diese Schäden sein?
Beim dritten HH wissen wir auch alle, wie der Hund darauf reagieren kann.
Entweder er schafft es und stellt seine Ohren auf Durchzug aber dies lassen wir Menschen in den seltensten Fällen zu oder aber er verhält sich eingeschüchtert und terrorisiert, ähnlich einem Opfer der chinesischen Wasserfolter.
Auf jeden Fall verschlechtert sich die Bindung vom Hund gegenüber seinem HH dramatisch.

Das ist für mich schon fast verrückt, wie routinemässig wir einem Hund Schmerzen zufügen können, im Versuch in zu Erziehen ohne dass wir aber damit auch nur den kleinsten Erfolg erleben müssen.
Das ist nicht mehr nur hirnlos, das ist für mich stupide, dumm, eigentlich unverzeihlich.

Vielleicht liegt es nur an mir aber ich habe verschiedene Erziehungshilfen im Verdacht, dass sie genau diese Routinen bei uns auslösen können.
Wie gesagt, es kann an mir liegen aber ich habe bisher noch keinen Hund erlebt, der ein Würgehalsband an hat, der nicht zieht.
Die HH strangulieren regelmässig ihre Hunde und entweder haben die Hunde so viel Halsmuskeln entwickelt, das sie dies aushalten können oder die Hunde müssen von Zeit zu Zeit stehen bleiben, um wieder Luft atmen zu können.
Trotzdem haben viele solche Hunde Würgehalsbänder ihr leben lang an.
Haben solche HH den Hunde zugetan, damit sie jemanden zum quälen und foltern haben oder was ist passiert?
Wenn ich dann noch an die "Erziehungshilfen" denke, die inzwischen Verboten sind und an diese Routinen, in die wir verfallen können, dann finde ich wirklich dass wir zuerst eine Lösung wegen diesen Routinen finden müssen, bei jedem HH, bevor wir überhaupt Anfangen sollten darüber zu diskutieren, ob Stromreizgeräte oder Stachelhalsbänder überhaupt eine Hilfe sein können und ob man sie nicht wieder frei verfügbar machen soll.

Wie schon geschrieben, ich weiss schon lange, dass ich auch immer wieder in solche Routinen verfallen kann.
Dies ist auch ein wichtiger Grund, weshalb ich Erziehung, die in erster Linie auf Strafe basiert, für mich ablehne.
Ich vertraue mir ganz einfach in dieser Richtung überhaupt nicht.
Diese Routinen kann ich selbst nur entdecken, entweder weil mich jemand darauf aufmerksam macht oder, weit häufiger inzwischen, weil ich mein Handeln versuche von aussen zu beobachten.
Dafür brauche ich aber immer wieder einen Augenblick der Ruhe, bei dem ich mich auf mein Verhalten konzentrieren kann.

Weil ich dies so erlebe und auch an mir selber erlebe, möchte ich ernsthaft darum bitten, dass jeder HH der das liest, auch einmal darüber nachdenkt, ob er nicht auch eine Variante der chinesischen Wasserfolter gegenüber seinem Hund (oder Hunden) betreibt.
Es gibt meines Wissen wirklich keine Methode, die noch sinnvoll ist, wenn man sie tagelang anwendet, ohne dass sich eine Verbesserung abzeichnet.
Es gibt ein paar wenige Methoden, bei denen man damit rechnen muss, dass sich das Verhalten zuerst verschlimmert, damit anschliessend der erwünschte Erfolg auftritt, wie z.B. bei der Methode, die ich beschrieben habe, um das Ziehen an der Leine abzugewöhnen .
Dies ist aber so ungewöhnlich, dass ein erfahrener Trainer normalerweise nicht vergisst, zu erwähnen, dass die vorgeschlagene Methode länger dauern kann.

Bei der chinesischen Wasserfolter spielt es nicht einmal eine Rolle, ob die Methode auf positive Bestärkung, auf Strafe oder auf sonstwas basiert.
Wenn es keine Verbesserung gibt, muss man die Methode oder die Anwendung überdenken.

Nur weil ich es lustig finde und nicht so moralisierend abschliessen möchte, hier meine letzte Variante der chinesischen Wasserfolter, die ich anwende.
Dies mache ich als Trainer, wenn die HH wieder anfangen, unnütze Kommandos und ähnliches an ihre Hunde zu geben.
Ohne zu überlegen rufe ich schon inzwischen automatisch, "Nicht mit dem Hund diskutieren (denn er kann schliesslich nicht reden)"
Im Moment finde ich das noch lustig aber das Tropfen hat schon Angefangen

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Gast
16.07.2011 20:11 Uhr
unser Hund ist ein lieber braver, aber er verhält sich verrückt, wenn Besuch in das Haus kommt, er klammert sich an Füsse und Hände, jault und lässt den Besuch keine ruhige Sekunde.... wir wissen nicht was er da hat und warum er das macht, auch wenn er Kinder auf der Strasse sieht, möchte er unbedingt zu ihnen und dann klammern...

wer weiss da Rat?
liebe Grüsse,
Roy der Klammerer und tarachan das Frauchen
doraband7
18.08.2014 20:09 Uhr
Was ist dann die richtige Methode dem Hund das oben beschriebene unerwünschte Verhalten abzugewöhnen?

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