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Zerrspiel

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Eintrag vom 03.02.2012

Wenn man das Verhalten eines Hundes beim Spielen nicht ernst nimmt, dann können Zerrspiele wirklich gefährlich sein.
Auf der anderen Seite, ein Hund lernt bei diesem Spiel soziales Verhalten, deshalb sind gerade Zerrspiele eine phantastische Möglichkeit, einem Hund erwünschtes Verhalten beizubringen und zu festigen.

Deshalb muss der erste Grundsatz beim Zerrspiel heissen: Gespielt wird nur solange, wie der Hund beim Spiel Rücksicht auf den menschlichen Mitspieler nimmt.

Das Ganze dreht sich dann eigentlich darum, wie man einem Hund Grenzen zeigt.
Der erste Schritt ist einfach.
Man spielt mit dem Hund, achtet aber dabei darauf, dass er noch Kontaktfähig ist.
Dann nimmt man mit der freien Hand ein Leckerli hervor, sagt "Aus" und bietet gleichzeitig das Leckerli an.
Damit der Hund das Leckerli fressen kann, muss er dass Spielzeug loslassen und dieses verhalten lobt man dann gleichzeitig verbal.
Anschliessend zeigt man das Leckerli immer wie später, nach dem Kommando "Aus".

Dann passiert etwas ganz natürliches, wir stossen an die Grenzen der Selbstbeherrschung beim Hund.
Entweder bringen wir den Hund im Spiel so in Aufregung und Spiellust, dass er lieber spielt, wie dass er ein Leckerli annimmt und das kann er uns nicht sagen, sondern nur zeigen.
Oder es geht ihm zu lange, bis wir ihm das Leckerli geben, so dass er die Zeit zum Weiterspielen nützen möchte.
Auf jeden Fall wird das "Aus" plötzlich nicht mehr funktionieren.
Der Grund ist einfach, der Hund will oder kann sich nicht mehr Beherrschen.
Bei der Selbstbeherrschung ist es übrigens egal, ob man nicht will oder nicht kann, im Endeffekt hat man die Selbstbeherrschung einfach verloren, das gilt so auch für unsere Hunde.

Jetzt rate ich zuerst einmal zu einem Selbsttest.
Man sucht sich einen menschlichen Partner und bittet ihn, mit einem ein Zerrspiel zu machen.
Plötzlich dreht man sich um und lässt den Partner mit dem Spielzeug in der Hand stehen.
Anschliessend redet man mit dem Partner darüber, wie er das Empfunden hat.
Dabei sollte herauskommen, dass der Partner überhaupt nicht das Gefühl hat, gewonnen zu haben, vielmehr wurde das Spiel grob unterbrochen und das Spielzeug verliert im gleichen Moment den Wert.
Dem Partner wird unser Verhalten auch überhaupt nicht gefallen, er wird sich bestraft fühlen und als Mensch kann ihn dies sogar aggressiv machen, weil er sich respektlos behandelt fühlt.
Zum guten Glück ist der letzte Punkt bei den Hunden normalerweise nicht der Fall aber wenn es jemanden passiert, dass der Hund sauer reagiert, wenn wir uns so Verhalten, dann sollte er schnellstens kompetente Hilfe suchen!

Genau diese eingeübte Reaktion, umdrehen und den Spielpartner stehen lassen, wenden wir nun gegenüber unseren Hunden an, wenn sie nicht auf das "Aus" reagieren oder zu unbeherrscht und grob werden.
Für einen Hund ist die Reaktion auf unser Verhalten auch logisch, er wird sofort versuchen, uns wieder zum Spiel aufzufordern, wenn er nicht Angst hat, dass er uns wütend gemacht hat.
Dies kann er auf zwei Weisen, entweder hüpft er vor uns rum und zeigt dabei demonstrativ das Spielzeug oder er kommt direkt vor uns und hält uns das Spielzeug zum Spielen hin.
Man hat wieder zwei gute Wahlmöglichkeiten in dieser Situation.
Entweder man spielt mit dem Hund weiter, weil man bereit dazu ist und das wird man normalerweise nur dann sein, wenn man glaubt, dass der Hund sich besser beherrscht oder man bricht das Spiel ganz ab.
Wenn man es ganz abbrechen will, fordert man vom Hund wieder ein "Aus", dass man mit einem Leckerli belohnt, wenn der Hund folgt.
Befolgt er das Kommando aber nicht, lassen wir ihn wieder mit dem Spielzeug stehen und drehen uns weg.
Auf diese Weise hat der Hund nun die Wahl, entweder das Kommando zu befolgen, dafür wird er belohnt und bekommt auch wieder sozialen Kontakt zu uns oder er kann das Spielzeug behalten und uns den Buckel runter rutschen.
Für was wird sich wohl ein Hund entscheiden?

Was meinen eigenen Hund, Bingo, angeht, so haben wir dort nicht gestoppt.
Wir befanden uns in der glücklichen Situation, dass wir Nachbarskinder hatten, die gerne mit Bingo spielen wollten, auch Reisspiele.
Den Nachbarskindern habe ich deshalb beigebracht, dass sie das Spielzeug loslassen sollten, wenn Bingo zu heftig wurde.
Die Kinder hatten kein Probleme damit, sich richtig zu verhalten und deshalb passte sich Bingo in kürzester Zeit den Kindern und ihren Kräften an.

Den grössten Erfolg durfte ich dann mit einem Zweijährigen Kind erleben.
Vor allem meine Unachtsamkeit war Schuld darin, dass ein Zweijähriger das Zerrspielzeug von Bingo erwischte und dann auch noch damit vor der Nase von Bingo herumwedelte.
Bingo packte folgerichtig auch das Zerrspielzeug und fing an, mit dem Kind zu spielen, ohne dass das Kind umfiel.
Dabei konnte der Knopf nur schwer auf eignen Beinen stehen bleiben, was bedeutet, dass Bingo ihn sogar gestützt hatte, mit dem Zerrseil.
Als Bingo dann Anfing im Spiel zu knurren, beendete ich das Spiel sofort, indem ich Bingo ein Leckerli anbot.
Das nahm er auch sofort an.
Dann nahm ich dem Kind das Zerrseil aus der Hand und erklärte ihm, dass es immer eine Drohung wäre, wenn ein Hund knurrt und dass man dann als Kind sofort damit aufhören müsste, was man tat, notfalls sogar dem Hund das Essen geben, das man in der Hand hat und dann zu Erwachsenen gehen und ihnen erzählen, was passiert ist.
Kinder verstehen das Knurren eines Hundes nicht automatisch richtig, es kommt sogar vor, dass sie meinen, ein Hund lächelt, wenn der Hund ihnen die Zähne zeigt.

Kommentare als RSS-Feed abonnieren 1 Kommentare

wanda2
23.10.2014 16:04 Uhr
Super Beitrag mit viel hilfreichen Tipps!
Mein Baldur ist zur Zeit ein kleiner Rüpel und ich werde auf jeden Fall mal versuchen, wie er reagiert, wenn ich ihn mal stehen lasse

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