Gehört das Betäuben von Tieren mittels Blasrohr und Betäubungsgewehr zur Ausbildung von Tierärzten?

weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 599
Da im Thread "Gefundenes Fressen für Hundehasser?" über den Tod von 2 unbeteiligten Hunden diskutiert wird, habe ich folgende Frage: Ist das Betäuben von Tieren mittels Blasrohr und Betäubungsgewehr mit im Ausbildungsplan jedes Tierarztes oder ist das eine spezielle Fortbildung für Zootierärzte oder welche, die in Wildparks oder Gehegen mit Wildtieren arbeiten?

Mir kam der Gedanke, ob das wohl alle können und eine entsprechende Ausrüstung haben, damit wie im Fall der Kangaltötung man hätte anderes entscheiden können. Meine TÄ haben es nur mit Haustieren, auch in der Landwirtschaft zu tun, und ich wüsste nicht, wo sie eine solche Betäubungsart verwenden müssten.
Die einen Tiere werden so in die Praxis gebracht, die Tiere bei Bauern sind im Stall oder Koppel, ausgerissene werden in der Regel erschossen. Wenn Pferd oder Rind nicht zu fangen ist, habe ich noch nie von Betäubung durch einen TA gehört...

Wer weiß da näheres?
Catalou
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2072
Ich habe zu deiner Frage in Google nur diesen passenden Link gefunden:

http://www.vetclinic.at/files/fertignarkosegewehr.pdf

Vielleicht wissen die Hunde-Spezialisten mehr darüber
Zuletzt geändert am 08.06.2017 18:58 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20328
Distanznarkose gehört nicht zur Tierarztausbildung, und umgekehrt musst du auch kein Tierarzt sein, um sie anwenden zu dürfen. Grundsätzlich brauchst du einen Sachkundenachweis vom Veterinäramt, für den du in der Regel auch deinen Bedarf nachweisen musst, denn die Verwendung von Narkosemitteln unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittel- und dem Tierschutzgesetz und ist zunächst mal Tierärzten vorbehalten. Für Betäubungsgewehre musst du zusätzlich spezielle Prüfungen zum Erwerb eines Waffenscheins machen.

In den meisten Fällen wird den Aufwand nur Zoo- und Wildparkpersonal (Tierärzte und -pfleger) betreiben. Allerdings werden auch Lizenzen in der Landwirtschaft vergeben, wenn Tiere ganzjährig draussen und ohne nennenswerten Menschenkontakt gehalten werden. In neuere Zeit gibt es auch ein paar Leute in Deutschland, die sich auf das Einfangen entlaufener Haustiere spezialisiert haben und die sich die Genehmigung für Teleinjektionen geholt haben. Soweit sich daran nicht in jüngster Zeit etwas geändert hat, brauchte man dafür aber immer zusätzlich eine Einzelfallerlaubnis, für die man erklären musste, warum das jeweilige Tier nur oder zumindest am tierschutzgerechtesten durch Narkose und nicht z. B. mit einer Schlinge oder Falle einzufangen ist.

Ich weiss nicht, wieviele Leute bundesweit diese Lizenz haben. Es dürften aber nicht allzuviele sein. Bei uns wurde das jüngst heftig diskutiert, als ein angefahrener Wolf qualvoll über Stunden am Strassenrand verendete. Der anwesende Jäger durfte ihn nach Artenschutzgesetz nicht erschiessen, und der Tierarzt kam nicht nah genug ran, um ihm zu helfen. Also wurde auf den Fachmann gewartet, und inzwischen war das Tier dann auch gestorben.
Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel alles Übels auf dieser Welt (Paul Farmer)
Shibaherz
Beiträge: 21223
Sch ..., was hat das Ganze dann im Ergebnis noch mit Tierschutz zu tun. Da muss was verändert werden, so hochgradig gefährdet, wie die Wölfe durch das engmaschige Autobahn- und Straßennetz nun mal sind

Aber auch im Fall der unbeteiligten Hunde in Stetten hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 08.06.2017 19:31 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20328
Für den Fall wären aus vielen Gründen Betäubungspfeile wohl kaum einsetzbar gewesen. Man hätte durch eine Scheibe schiessen müssen. Das Gewicht und der Gesundheitszustand der Hunde war nicht bekannt (Narkoserisiko). Man kann nicht einschätzen, was aufgeregte Hunde anstellen, wenn ihr Kumpel schwächelt und umfällt.... Ich hatte bislang dreimal mit professionellen Tierfängern mit Betäubungsausrüstung zu tun (zwei Hunde, ein Pferd). Die waren derartig sorgfältig, dass von ihnen sicher keiner seine Lizenz für ein so gewagtes Unterfangen aufs Spiel gesetzt hätte.
Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel alles Übels auf dieser Welt (Paul Farmer)
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 9117
Vielleicht (!?) wäre eine Alternative gewesen, die Hunde mittels Zugabe eines Medikaments in einem Leckerli, zu sedieren. Also ein Tierarzt packt ein starkes Beruhigungsmittel in ein Stück Fleischwurst o.ä. und vorausgesetzt die Hunde hätten es gefressen, hätte man sie gefahrlos einfangen können. Sehr viele Hunde fressen ja Leckereien in nahezu jeder Situation. Sicher nicht alle, aber Versuch macht kluch.
Mein Tierarzt - Vermieter, der hatte auch keine "Blasrohrlizenz", hat das mal so mit dem Rotti meiner Nachbarn gemacht. Ich weiss nicht mehr genau warum, aber niemand kam an den ran und der war Wachhund des Pferdehofs meiner Nachbarn, also kein lieber Schmuser und in der Situation sehr giftig.
Ist natürlich auch nur eine der endlos vielen Überlegungen und genau so völlig theoretisch.
"Alt gewordenen Pferden das Gnadenbrot zu geben und Hunden nicht nur, wenn sie jung sind, sondern auch im Alter Pflege angedeihen zu lassen, ist Ehrenpflicht eines guten Menschen."(Plutarch von Chäronea, 45 - 120, griechischer Philosoph)
Zuletzt geändert am 09.06.2017 12:46 Uhr
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 599
Danke Christianeadler für Deine Ausführung, ja an so etwas hatte ich gedacht. Bei den 2 Hunden im Wintergarten, wobei, tomstep, mir sich die Frage stellt, wie hätte man den Hunden bei geschlossenen Glasscheiben, vielleicht auch noch Sicherheitsglas, ohne das Haus zu betreten, ihnen einen Köter hätte geben können...

Vor einem Jahr hatten wir einen Fall, wo eine Betäubung angebracht gewesen wäre. In Lorsch "Lauresham", versucht man Auerochsen nachzuzüchten. Lauresham ist ein nachgestelltes Dorf aus dem Mittelalter mit alten Schafsrasssen, HSH, Rindern, alles alte Sorten. Unter anderem ein Jungstier, es gibt weltweit nur noch wenige Hundert Tiere der Rasse, er war auf einer Weide mit 2 Kühen, etwa 1 Jahr alt, der einfach den Elektrozaun niedergetrampelt hat und mit den Kühen abgehauen ist. Die Kühe ließen sich schnell wieder einfangen, der Stier hat sich über Stunden geweigert. Letzlich musste er abgeschossen werden, für die Zucht sollte er ja so ursprünglich wie möglich sein, eben auch wehrhaft... Da es nur so wenige Tiere dieser Rasse auf der Welt gibt, habe ich mir überlegt, warum nicht betäuben und dann wieder sicher unterzubringen.
Es hat sich herausgestellt, die Kühe hatte er vorher gedeckt, also gibt es Mischlingskälber mit seiner DNA. So war das Projekt nicht ganz gescheitert....
Wir haben eine große Dichte von TÄ (wir wünschten uns genau soviele Hausärzte...) , frisch von der UNI, gestandene alte , die sich mit Großvieh auskennen, da hätte sich wohl einer finden können, der den Stier betäubt, wenn es zur Ausbildung dazugehört?!
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