Mehrhundhalter - Der Hund ohne sein Rudel

TickyTacky
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Beiträge: 3587
+ 3
Hallo
wie viele hier wissen ist meine Hündin Lu sozial unsicher bzw unverträglich, hatte diverse Problemen mit Umweltobjekten, Geräuschen und Menschen. Als Frasier als Welpe hier einzog waren nur noch die Probleme mit Artgenossen vorhanden, aber kontrollierbar. Natürlich bleibt sie nicht locker wenn die böse Kehrmaschine mal wieder in ihre Richtung fährt (also mit Abstand natürlich) aber sie läuft eben auch nicht mehr in Panik nach Hause und kommt schnell über den Stress hinweg.

Damit Frasier sich das Verhalten gegenüber Artgenossen nicht abschaut, habe ich im ersten Jahr sehr häufig die Hunde getrennt geführt. Damit wollte ich auch erreichen, das Frasier später mal auch ohne sie Umweltsicher ist.
Inzwichen ist er nun 2 Jahre alt und da Lu wesentlich weniger Bewegung braucht als er gehe ich oft mit beiden zusammen und mit ihm noch einmal extra raus. Heute kam es dazu das ich seit sehr langer zeit das erste mal wieder mit Lu alleine unterwegs war, fremde Umgebung, fremder Wald, usw. Und ich habe festgestellt, das sie unsicherer ist als vor Frasiers Einzug.
Na klar, ich hatte gehofft das er ihr irgendwann einmal Sicherheit gibt. Sie schaute sich immer um, als ob sie ständig hektisch kontrollieren müsste ob sich nicht von irgendwo her doch eine Gefahr nährt. Wir spielten ausgelassen, wirklich Stress hatte sie keinen, aber ihre persönliche Wache (und wachen ist hier Frasiers Job) war eben nicht dabei und sie legte viel wert darauf das ich immer hinter ihr bin.

Das sich das Verhalten des einzelnen Hundes in einer Gruppe von Artgenossen bzw in einem Rudel ändern kann ist mir völlig klar, aber was passiert wenn man die anderen Artgenossen wieder wegnimmt?

Wie ist das bei euch? Geht ihr mit den Hunden auch mal getrennt? Und wie ändert sich deren Verhalten dann?

Liebe Grüße
Sandra
Mother Nature always wants to be balanced - Cesar Millan
Gast
+ 1
wie sehr nelly's sicherheit von ihrem "rudel" abhängt, habe ich in diesem jahr gemerkt.

anfang des jahres mussten wir meine ersthündin piki einschläfern lassen. danach hatte nelly einen extremen rückfall, was ihre ängstlichkeit betrifft. sie ist - wie zu welpenzeiten - plötzlich wieder panisch vor anderen hunden und fremden menschen weg gerannt.

dann, 2 monate später, ist peaches hier eingezogen und nelly's selbstbewusstsein ist sozusagen gen himmel geschossen... meiner meinung nach, ein wenig zuviel
ich weiß nicht, ob es eine rolle spielt, dass peaches viel größer ist, als piki es war. oder einfach nur daran, dass nelly nun die ranghöhere ist.

aber nelly's verhalten mit und ohne zweithund war schon extrem unterschiedlich.

wenn ich mal allein mit nelly unterwegs bin, verhält sie sich aber nicht auffällig anders. ich glaube, sie zickt weniger rum... aber (un-)sicherer ist sie nicht.
Gast
Hallo,

also ich habe es auch so aehnlich gemacht wie Du. Wenn also ein Welpe oder Junghund dazu kam, bin ich mit dem gesamten Rudel rausgegangen und dann spaeter nochmal eine extra Runde mit dem Welpen bz. Junghund. Habe auch festestellt, dass recht schnell ein grosser Unterschied festzustellen ist, wenn alle dabei sind oder der Kleine und ich alleine unterwegs waren.

Die Junghunde haben immer eine etwas "groessere Klappe", wenn die anderen dabei sind und "hoeren" auch etwas schlechter Naja mit den Einzelgaengen habe ich das aber nach und nach in den Griff bekommen, dass sich der Hund an mich orientiert und natuerlich auch Neues kennenlernt (also Strassen,Autos,Menschen, Geraeusche usw).

Bei meiner Badissa habe ich es dann so gemacht, als sie etwa 1 Jahr alt war, dass ich mir die Extrarunden gespart habe, da ich eben feststellte, dass sie auch recht sicher ist, wenn wir alleine unterwegs waren. Nachdem wir also laengere Zeit nur immer im Rudel gelaufen sind, musste ich mit ihr zwischendurch mal alleine Dinge erledigen (Ausstellungen, TA-Besuche usw).

Ploetzlich merkte ich, dass sie ohne die anderen auch extrem auf der Hut war. Allerdings orientierte sie sich zu 100% nach mir. Ich bemerkte allerdings ihre Unsicherheit. Natuerlich kann das auch mit dem TA-Besuchen etwas zu tun haben, denn dort war die Erfahrung nicht so schoen. Bin mit dem Auto meines Freundes gefahren und dann "mochte" sie das Auto meines Freundes ein zeitlang nicht mehr

Ich habe dann einfach wieder angefangen, sie auch alleine auszufuehren und bin extra mit dem Auto meines Freundes gefahren und es ist recht schnell besser geworden. Meine anderen Hunde sind schon etwas aelter oder eben charakterlich anders drauf und sehr viel ruhiger, aber auch bei ihnen bemerke ich, wenn wir alleine unterwegs sind, dass ihre ganze Aufmerksamkeit mir gilt.

Ich wuerde einfach mit Lu die Extraspaziergaenge einfuehren, um sie etwas ruhiger bzw. entspannter werden zu lassen, denn sie soll sich ja eigentlich in erster Linie auf Dich verlassen und nicht nur auf ihren Hundekumpel.
TickyTacky
  • Moderator
Beiträge: 3587
Da bei Lu der Grund für die Probleme ein isoliertes Aufwachsen ohne Prägung ist, glaube ich, das es Sachen gibt die ich ihr nicht bieten kann als Mensch.

Was früher zu Panik geführt hat lässt sie jetzt kurz zittern, wenns mal ganz schlimm wird versteckt sie sich hinter mir oder zwischen meinen Beinen. Aber Frasier gibt eben kurz Bescheid wenn etwas ungewöhnliches auftaucht, heute musste sie mal wieder selbst aufpassen, suchte bei mir Schutz mit ihm zusammen ist das kaum nötig.

Auch hatte sie früher Probleme mit Menschen, erwünschte Distanz waren 10 meter, Lösung wenn sie zu nahe kamen: schnappen.
Ich habe es soweit gebracht, das sie völlig unauffällig ist unter vielen Menschen. Fasst ihr jemand zu direkt auf den Kopf geht sie einfach weg. Aber auch da hat Frasier es noch weiter gebracht, wenn er auf Ansprache fröhlich auf den Menschen zuwedelt zieht Lu das ebenfalls mit - man könnte ja auch was verpassen.

Auch jetzt zu Hause (Frasier ist heute den ganzen Tag weg) ist ihr Verhalten ein wenig anders als sonst, nichts besorgniserregendes, aber sie passt mehr auf als sonst.

Lu ist einfach nicht in der Lage zu generalisieren, trifft sie einen Mann mit Hut den sie erst gruselig findet dann aber okay dann ist der nächste mann mit Hut genauso gruselig wie der erste....Frasier dagegen hat den Gartenzwerg im Baumarkt eben nur einmal angeknurrt, sich angenährt und nun sind alle Gartenzwerge okay. Und genau da zieht er sie offensichtlich immer wieder mit, öfter als ich das wahrscheinlich bemerke.
Ich werde auf jeden Fall nun wieder öfter auch mit ihr einzeln gehen und sie auch mal wieder mit schwierigen Situation alleine konfrontieren (schlechter werden solls ja nicht) aber man fragt sich doch selbst, wieviel Sicherheit vom 2.Hund gut ist?

Gruss
Sandra
Mother Nature always wants to be balanced - Cesar Millan
Zuletzt geändert am 09.10.2009 17:18 Uhr
Gast
Peggy ist ja auch eine unsichere Hündin.
Wenn ich mit dem ganzen Rudel gehe, fühlt sie sich sicher versucht sogar bei Hundebegegnungen den Ton anzugeben.
Wenn ich mit ihr allein gehe, macht sie es genau wie Lu: Sie dreht sich immer wieder um.
Sind wir aber weiter weg, gibt sich das.
Sie ist sogar gern mit mir allein in die Hundeschule gegangen.
Wenn sie allein mit mir unterwegs ist reagiert sie bei fremden Hunden unsicher, versteckt sich hinter meinen Rücken.
Mit Higgins bin ich von Anfang an auch allein gegangen. Ihn stört es nicht wenn er mit mir allein unterwegs ist.

Und Zorro nimmt es so wie es gerade kommt, ihm ist alles recht.
leonberger1
  • Forenwelpe
Beiträge: 76
Mir geht es mit Nanni genau so. Aber sie kam als zweithund. Frodo der ersthund verändert sich kaum wenn Nanni dabei ist, außer Hundebegegnungen, da fällt er durch Nanni schnell in sein altes Muster zurück.
Nanni ist von Anfang an sehr an Frodo orentiert gewesen und völlig verunsichert ohne. Selbst heute noch nach über einem Jahr. Wir sind immer eine Runde zusammen gelaufen und haben dann geschaut,das wir getrennt gehen. Und trotdem ist sie immer noch unsicher ohne ihren großen Frodo. Wobei Nanni größer ist wie er!
DieAnne
  • Forenwelpe
Beiträge: 14
Timmi ist sehr unsicher, Pina immer auf 180!

Und nein, wir gehen nicht getrennt spazieren!

Selbst wenn der eine an der Leine pöbelt und der andere grad dabei ist mit seinem Quietscheball auch den Rest meiner bis dahin gut erhaltenen Nerven zu ruinieren, NICHTS ist für Hunde so wichtige wie GEMEINSAME Bewegung im Rudel!

Meine persönliche Glücksformel ist "positive Emotion by Motion" sprich: positive Gefühle /Beruhigung durch Bewegung!

Wir haben sehr lang gebraucht bis es wirklich so geklappt hat wies jetzt ist, aber der Aufwand und die Arbeit haben sich für uns alle gelohnt! Es ist ein tolles Gefühl etwas gemeinsam geschafft zu haben!
Keyla
  • Begleithund
Beiträge: 1904
+ 1
Respekt, Sandra - es ist wirklich nicht einfach mit zwei Hunden, gerade wenn einer auch noch "problematisch" ist. Wir sind ja umgezogen und Paule hat vorher ein Jahr mit dem Rüden meiner Freundin zusammen gelebt, ebenfalls zwei Jahre alt.
Bei dieser Konstellation sage ich mal, war Paule eher der Ruhepol und der andere Rüde der "Stressfaktor", ebenfalls schlimme Vorgeschichte, Unsicherheit, keine Frustrationstoleranz.
Das ging soweit, dass man mit beiden zusammen, nicht mehr spazieren gehen konnte - der Stress hat sich auf Paule übertragen ( Leinenaggression ), verbellen von Menschen, hat Paule auch sofort mitgemacht. Wäre es mal anders herum gewesen, die schlechten Eigenschaften gucken sie sich zuerst ab.
Also, ich persönlich denke, in unserem Fall, Paule keine Sicherheit vermittelt hat, sondern selbst etwas in den Stresspegel gezogen worden ist. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass das auch anders aussehen kann und wenn Du schreibst, Frasier nähert sich z.B. dem Menschen und Lu zeigt Interesse und geht freiweillig auf den Konfliktherd zu, dann ist das doch sehr positiv.
Manche Ängste sind so tief verwurzelt, dass man sie nie ganz therapieren kann, aber man sie abmildern, dass der Hund ein gutes Leben führt und das sie mit Dir durch Menschenmengen läuft, ist doch ein super Erfolg.
Ich weiß nicht, wie es wäre - wenn Frasier nicht mehr da wäre, sicher wäre sie stark irritiert und ihre Ängste könnten sich sicher erstmal verstärken - da ja eine gewisse Verlässlichkeit und Basis weggebrochen ist
"Alles Wissen die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten ist in den Hunden enthalten." Franz Kafka
Zuletzt geändert am 09.10.2009 22:31 Uhr
Lupi_
  • Forenwelpe
Beiträge: 60
Hallo!
wenn man einen ängstlichen Hund hat, dann ist es sicherlich toll ihm einen selbstsicheren Hund an die Seite zu stellen. Und natürlich verändert sich dieses Verhalten mehr oder weniger wenn der andere Hund nicht mehr da ist-. Auf der Hundewiese kann man auch immer beobachten, wie sich die Dinge verändern, wenn plötzlich mehr Hunde da sind und Gruppendynamische Prozesse beginnen. Bei meinen beiden macht es kaum einen Unterschied, ob ich mit beiden gehe oder mit einem alleine. Nur macht es einen Unterschied, ob ich dabei bin oder nicht. Ohne mich ist Laika viel ängstlicher als sonst. Man kann also auch als Mensch seinem Hund eine gute Stütze sein.
LG, Lupi
"Meiner Erfahrung nach werden die Menschen immer radikaler, je theoretischer sie denken" Temple Grandin -Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier-
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